Bohne aus Kärnten

Phaseolus vulgaris

Anbau

Gertraud Griepke steckt nach den Eisheiligen an jede Stange vier bis fünf Kerne. Die Stangen müssen gut ver ankert werden, um Wind standzuhalten, denn die wuchsfreudigen Pflanzen vernetzen sich zu einer Blätterwand. Die Bohne aus Kärnten steht gerne sonnig, verträgt aber auch etwas Halbschatten.

Wuchs & Ernte

Die ertragreiche Stangenbohne rankt bis vier Meter hoch. Sie hat große, drei teilige Blätter; die Blüte ist hellviolett. Die bis 20 Zentimeter langen, grünen und fadenlosen Hülsen sind nur leicht gebogen, die bis 1,9 x 0,5 Zentimeter großen Kerne sind hellbraun mit dunk len Streifen. Die Bohne hat eine lange Erntezeit: Im milden Rheintal erntet Gertraud Griep ke von Mitte, Ende Juli bis Ende Okto ber Hülsen. Bei starker Hitze blüht die Pflanze, bildet aber weniger oder keine Früchte aus. Erst im September, Okto ber wachsen dann wieder Hülsen. Das Saatgut ist ab Ende August erntereif.

Geschichte

„Ich bin im Süden von Österreich aufgewach sen, im Grenzgebiet zu Italien, in der Gemein- de Nötsch, im Bezirk Villach in Kärnten“, erzählt Gertraud Griepke: „Damals war die Bohne in Nötsch weit verbreitet. Heute ist meine Nichte dort eine der Letzten, die sie anbauen.“ Gertraud Griepke lebt mittlerweile in Heidelberg und erhält die Bohne hier seit 20 Jahren im Schrebergarten. Das Saatgut hat sie von Großmutter und Patentante, beide aus Nötsch. Der Name „Bohne aus Kärnten“ stammt von Gertraud Griepke. „Ich komme von einem Bauernhof. In der gan zen Gegend war viel Landwirtschaft“, erinnert sich die 1948 geborene Chemikerin an ihre Kindheit: „Jeder Bauer hatte einen Krautacker.“ Das war ein etwa 200 bis 300 Quadratmeter großes abgetrenntes Stück Acker, ein etwas weiter vom Haus entfernter Gemüsegarten für den Eigenbedarf. Während auf dem Acker Kartoffeln, Mais oder Getreide wuchsen, wurden auf dem Krautacker verschiedene Kohlsorten, Rote Beete, Rettiche, Sellerie, Lauch, Möhren und Zwiebeln angebaut. „Alles, was man in großen Mengen fürs Kochen ge braucht hat. Kraut war die Hauptsache“, sagt Gertraud Griepke: „Der Krautacker war nicht umzäunt und wildgefährdet. Deshalb hat man Stangenbohnen drumrum gesetzt. Das hat in Nötsch jeder gemacht.“ Die Stangenbohnen wuchsen an sehr hohen und rauen Fichten stangen oder Dürrlingen von abgestorbenen Bäumen; der Krautacker war mit den Stangen so für mehrere Jahre umfriedet. Die Stangen bohnen wuchsen im Laufe des Sommers zu einem festen Zaun. Gertraud Griepke: „Da gab es ganze Waschkörbe voller Bohnen zu ernten. Im Zaun waren verschiedene Bohnen, auch Feuerbohnen, aber diese eine Bohne war die Beste. Aus dieser Zeit stammt die Bohne aus Kärnten; ich habe sie abgeliefert, damit diese alte Sorte erhalten bleibt.“

Verwendung

Die grünen Hülsen sind fleischig, fadenlos und mit einem cremig-nussigen Geschmack wohl schmeckend. Weil sie fast ganz gerade sind, lassen sie sich gut in Gläsern einkochen. Auch die Kerne schmecken gut: Die frisch geernte ten, halbreifen Kerne kocht Gertraud Griepke etwa 15 Minuten und isst sie in der Suppe oder mit anderem Gemüse. Die Trockenbohnen werden in ihrer Familie im Winter in der Suppe oder als Bohnensalat zubereitet. Gertraud Griepke: „Der Salat ist eine Delikatesse.“

Ordnung
Familie
Fabaceae
Gattung
Phaseolus
Art
vulgaris
Varietät
vulgaris
Sonstiges
  • Rarität
  • Nutz-/Zierpflanze

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