Schwabenbohne Martha

Phaseolus coccineus (alt: Phaseolus coccineus L.)

Anbau

Die Schwabenbohne Martha wird im Mai gesteckt. Alle 40 Zentimeter und mit 60 Zentimeter Reihenabstand gab Martha Stützle fünf bis sieben Kerne in kleine Mulden. Waren die Pflanzen 20 bis 30 Zentimeter hoch, wurden Stangen aufgestellt.

Wuchs & Ernte

Die Feuerbohne wächst über fünf Meter hoch und hat rote, rot-weiße und weiß-beige Blüten. Ab August bis Anfang November wird geerntet. Triebe und Hülsen bekommen bei starkem Sonnenschein rötliche Stellen. Die robusten Hülsen sind flach und bis über 20 Zentimeter lang. Ist es sehr heiß, wachsen, bis es kühler wird, keine Hülsen. In ihrer Kindheit, erinnert sich die 1929 geborene Martha Stützle, waren alle Kerne lila mit schwarzer Musterung. Später kamen andere Farbspiele dazu. Von hellbeige und braun mit  brauner Musterung über Lilatöne mit schwarzer Musterung bis fast schwarz mit lila Schimmer: Heute wird eine sehr harmonische Farbmischung geerntet.

Geschichte

Die Schwabenbohne Martha stammt aus Braunenweiler bzw. Untereggatsweiler, Dörfern zwischen Bad Saulgau und Bad Buchau. „Ich habe die Bohne vom Bauernhof meiner Eltern. Mein Vater ist 1872 geboren. Da war das Saat- gut sicherlich schon im Haus“, erzählt Martha Stützle, die mit ihrem Mann Ottmar einen großen Garten bewirtschaftet hat. Martha Stützle: „Früher hatten alle im Ort einen Gemüsegarten, fast alle waren Bauern, und alle hatten die Schwabenbohne im Anbau. Nun sind die Bauernhöfe ausgestorben und wir haben als eine der letzten 2020 unseren Gemüsegarten altershalber aufgegeben, nun hat niemand im Dorf mehr Schwabenbohnen.“ Seit 2022 baut ihre Tochter Ruth Rosa Stützle-Kaiser die Familienbohne an. Die Tübinger Kulturwissenschaftlerin und Künstlerin hat die Bohne auch zum Thema ihrer Kunst gemacht. Aus der letzten Bohnenernte ihrer Eltern hat sie fünf Kerne ausgewählt, Vorlagen für Siebdrucke herstellen lassen und selbst in A2-Größe die Siebdruckserie „Letzte Ernte“ gedruckt. Sie zeigt botanisch genaue Abbildungen der Bohnen, nur ihre einzigartigen Musterungen in Schwarz oder nur ihre Formen in der Grundfarbe. Auch Rauminstallationen mit Bohnenstroh, trockenen Hülsen oder den alten silbergrauen Bohnenstangen werden bei ihr zu Kunst. „Meine Kunstrichtung ist die Eco-Ästhetik, die die Schönheit der Natur, aber auch ihre Fragilität und Zerstörung thematisiert“, sagt Ruth Rosa Stützle-Kaiser: „Über die Kunst und die Schönheit möchte ich den Blick öffnen und eine Diskussion anstoßen für Themen, die ich wichtig finde. Und Arten- und Sortenvielfalt ist ein hochrelevantes Thema, das in Zukunft noch wichtiger wird.“

Verwendung

Gegessen werden die jungen Hülsen, die milchreifen sowie die getrockneten Kerne. In der Familie von Martha Stützle werden aus Hülsen Bohnensalat, den milchreifen Kernen Salat mit Gelben Rüben und aus den trockenen Kernen „Saure Bohnen mit Spätzle“ zubereitet. Dafür werden die Kerne über Nacht eingeweicht, dann Zwiebeln, Butter und Mehl dunkel angeröstet, mit dem Einweichwasser abgelöscht und mit Salz, Essig, Zucker, Lorbeerblatt, Nelken und den Kernen gekocht. Die Hülsen wurden auch eingemacht.

Ordnung
Familie
Fabaceae
Gattung
Phaseolus
Art
coccineus

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